RotkÄppchen auf Amtsdeutsch
RotkÄppchen für den Informatiker
Rotkäppchen für Mathematiker
Rotkäppchen für Chemiker
Rotkäppchen in der DDR
Rotkäppchen auf Mecklenburgisch
Das Luder mit dem roten Käppchen
Rotkäppchen für Juristen
Es war einmal eine Minderjährige. Der Überlieferung nach im vorpubertären
Alter. Die Eltern des Mädchens hatten ihr in Ausübung des ihnen
gesetzlich eingräumten Namenbestimmungsrechts (§1627 Abs.1, 2 BGB) den
Rufnamen Rotkäppchen gegeben, unbeanstandet vom Standesamt, das gemäß
§§ 16, 17 des Personenstandsgesetzes nach gebundenem Ermessen hätte
widersprechen können.
Rotkäppchen wurde von der Mutter beauftragt (§ 622 BGB), Kuchen und Wein
zu der im Walde wohnenden kranken Großmutter zu bringen, ohne dass
übermittelt ist, ob es sich dabei um die Großmutter väterlicher- oder
mütterlicherseits handelte. Im Rahmen der Aufsichtspflicht (§ 832 BGB)
erfolgte eine der nach herrschender Meinung ausreichende Belehrung vor
den möglichen Gefahren des Weges. In ständiger Rechtsprechung wird
die Auffassung vertreten, daß selbst bei einem 6jährigen Kind, soweit
keine schädlichen Neigungen festgestellt werden, es ausreicht, vor
den allgemein üblichen Gefahren einer Weggefährdung zu warnen, um
alsdann das Kind unbewacht zu lassen; eine ständige Begleitung durch eine
Aufsichtsperson wird nicht gefordert, ein ständiges Eingesperrtsein des
Kindes in diesem Alter ist weder geboten noch aus erzieherischen Gründen
erwünscht (VersR 1972, Seite 54)!
Entgegen dieser für ausreichend anzusehenden Belehrung ließ sich das Kind
von einem der menschlichen Sprache mächtigen Wolf in ein Gespräch
verwickeln und gab bei dieser Gelegenheit Informationen preis, die der
Wolf arglistig zu seinem Vorteil ausnutzte. Die insoweit erfolgte
Einlassung des Kindes hinsichtlich des Gesprächs mit dem Tier ist
nicht zu widerlegen, zumal bekanntermaßen auch Loriot im Fernsehen einen
sprechenden Hund vorführen konnte.
Die weiteren Angaben des Mädchens anläßlich seiner Vernehmung um die
Vorkommnisse im Hause der Großmutter, dass nämlich der Wolf zunächst
die Großmutter und alsdann nach einem etwas verfänglichem Gespräch
auch Rotkäppchen bei lebendigem Leibe verschlungen habe, wurde indirekt
durch die Zeugenaussage des Jägers bestätigt, der durch Aufschneiden
des sich im Tiefschlaf befindlichen Wolfs die beiden Personen unverletzt
befreite. Als Präjudiz kann auf den Propheten Jonas verwiesen werden,
von welchem in der Bibel überliefert ist, daß er zunächst von einem
Fisch (Jonas 2,1) verschlungen und nach 3 Tagen - möglicherweise wegen
Unbekömmlichkeit - wieder ausgespuckt wurde (Jonas 2,11).
Das Aufschneiden des Wolfs durch den Jäger ist tatbestandsmässig als
verbotene Vivisektion zu werten. Die mögliche Einlassung des Jägers,
eine Tötung des Tieres - etwa durch Kopfschuß - sei wegen der gerade
laufenden Schonzeit nicht zumutbar gewesen, wäre eine Schutzbehauptung
und darum unbeachtlich. Wegen des vorhandenen Notstandes entfällt jedoch
zumindest der Schuldvorwurf, was eine Bestrafung ausschließt (§ 35 StGB).
Dagegen ist der Jäger wegen Tierquälerei nach dem Tierschutzgesetz
zu bestrafen, soweit er als Mittäter gemeinschaftlich handelnd
(§ 25 Abs.2 StGB) mit der gleichfalls straffälligen Großmutter und dem
noch nicht strafmündigem Rotkäppchen (§ 19 StGB) den aufgeschnittenen
Wolf mit schweren Feldsteinen füllte und so den qualvollen Tod des
Tieres herbeiführte. Die verwirkte Strafe wäre jedoch mit Rück-
sicht auf die zuvor erbrachte Hilfeleistung zur Bewährung auszusetzen.
Dem Vernehmen nach soll Rotkäppchen später mit dem Jäger die Ehe
eingegangen sein, beide sollen die Großmutter zu sich genommen haben.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lügen sie noch heute.
Rotkäppchen auf Amtsdeutsch:
Im Kinderanfall unserer Stadtgemeinde ist eine hierorts wohnhafte,
noch unbeschulte Minderjährige aktenkundig, welche durch ihre
unübliche Kopfbedeckung gewohnheitsmässig Rotkäppchen genannt zu
werden pflegt. Der Mutter besagter R. wurde seitens ihrer Mutter ein
Schreiben zustellig gemacht in welchem dieselbe Mitteilung ihrer
Krankheit und Pflegebedürftigkeit machte, worauf die Mutter der R.
dieser die Auflage machte, der Großmutter eine Sendung von Nahrungs-
und Genussmitteln zu Genesungszwecken zuzustellen.
Vor ihrer Inmarschsetzung wurde die R. seitens ihrer Mutter über das
Verbot betreffs Verlassens der Waldwege auf Kreisebene belehrt.
Dieselbe machte sich infolge Nichtbeachtung dieser Vorschrift
straffällig und begegnete beim übertreten des amtlichen Blumen-
pflückverbotes einem polizeilich nicht gemeldeten Wolf ohne festen
Wohnsitz. Dieser verlangte in gesetzmässiger Amtsanmassung
Einsichtnahme in das zu Transportzwecken von Konsumgütern dienende
Korbbehältnis und traf in Tötungsabsicht die Feststellung, dass die
R. zu ihrer verschwägerten und verwandten, im Baumbestand
siedelnden Großmutter eilend war.
Da seitens des Wolfes Verknappungen auf dem Ernährungssektor
vorherrschend waren, fasste er den Entschluss, bei der Großmutter
der R. unter Vorlage falscher Papiere vorsprachig zu werden. Weil
dieselbe wegen Augenleidens Krank geschrieben war, gelang dem in
Fressvorbereitung befindlichen Untier die diesfallsige Täuschungs-
absicht, worauf es unter Verschlingung der Bettlägerigen einen
strafbaren Mundraub zur Durchführung brachte. Ferner täuschte das
Tier bei der später eintreffenden R. seine Identität mit der
Großmutter vor, stellte ersterer nach und in der Folge durch
Zweitverschlingung der R. seinen Tötungsvorsatz erneut unter Beweis.
Der sich auf einem Dienstgang befindliche und im Forstwesen zuständige
Waldbeamte B. vernahm Schnarchgeräusche und stellte der Urheberschaft
seitens des Tiermaules fest. Er reichte bei seiner vorgesetzten Dienst-
stelle ein Tötungsgesuch ein das dortseits zuschlägig beschieden und
pro Schuss bezuschusst wurde. Nach Beschaffung einer Pulverschiess-
vorrichtung zu Jagdzwecken gab er in wahrgenommener Einflussnahme auf
das Raubwesen einen Schuss ab. Dieser wurde in Fortführung der
Raubtiervernichtungsaktion auf Kreisebene nach Empfangnahme des
Geschosses ablebig.
Die gespreizte Beinhaltung des Totgutes weckte in dem Schussgeber die
Vermutung, dass der Leichnam Menschenmaterial beinhaltete. Zwecks
diesbezüglicher Feststellung öffnete er unter Zuhilfenahme eines
Messers den Kadaver zur Todvermarktung und stiess hierbei auf die noch
lebhafte R. nebst beigehefteter Großmutter. Durch die unverhoffte
Wiederbelebung bemächtigte sich beider Personen ein gesteigertes,
amtlich nicht zulässiges Lebensgefühl, dem sie durch groben Unfug,
öffentliches Ärgernis erregenden Lärm und Nichtbeachtung anderer
Polizeiverordnungen Ausdruck verliehen, was ihre Haftpflichtmachung
zur Folge hatte.
Der Vorfall wurde von den Kulturschaffenden Gebrüdern Grimm zu
Protokoll genommen und starkbekinderten Familien in Märchenform
zustellig gemacht.
Wenn die Beteiligten nicht durch Hinschied abgegangen und in Fortfall
gekommen sind sind dieselben derzeit noch lebhaft !
ROTKÄPPCHEN für den Informatiker
Es war einmal ein kleines, süsses Mädchen, dass immer ein Käppchen
aus rotem Samt trug. Auf Grund dieses Attributes erhielt es ein
Assign unter dem symbolischem Namen 'Rotkäppchen'. Eines Tages sprach
die Mutter: 'Rotkäppchen, die Gesundheit deiner Großmutter hat einen
Interrupt bekommen. Wir müssen ein Pflegeprogramm entwickeln und zur
Großmutter bringen, um das Problem zu lösen. Verirre dich aber nicht
im Wald der alten Sprachen, sondern gehe nur strukturierte Wege. Nutze
dabei immer eine Hochsprache der vierten Generation, dann geht es der
Großmutter schnell wieder gut.
Und achte darauf, dass dein Pflegeprogramm transaktionsorientiert ist,
damit es die Großmutter nicht noch mehr belastet'.
Da der Weg zum Haus der Großmutter reentrant war, traf Rotkäppchen
den bösen Wolf. Er tat sehr benutzerfreundlich, hatte im Background
jedoch einen Abbruch programmiert. Während Rotkäppchen einen Goto
ins Blumenfeld machte, ging der Wolf im Direktzugriff zur Großmutter
und vereinahmte sie unverzüglich durch einen Delete. Ohne zu zögern
gab er sich den Anschein kompatible zu sein und nahm die logische Sicht
der Großmutter an. Dann legte er sich in ihren Speicherplatz. Kurz
danach lokalisierte auch Rotkäppchen die Adresse der Großmutter und
trat in den Speicherraum.
Vor Installation des Pflegeprogramms machte Rotkäppchen sicherheitshalber
einen Verify und fragte: 'Ei, Großmutter, warum hast du so grosse Augen ?'
'Weil ich zufriedene Endbenutzer gesehen habe.' 'Ei, Großmutter, was hast
du fuer grosse Ohren ?' 'Damit ich die Wünsche der User besser verstehen
kann.' 'Ei, Großmutter, was hast du so ein entsetzlich grosses Maul ?'
'Damit ich dich besser canceln kann.' Sprachs und verschlang das arme Ding
als lnput.
Nach einem Logoff begab sich der Wolf zu Ruhe, schlief ein und begann laut
zu schnarchen. Als der Jäger auf seinem Loop durch den Wald am Haus der
Großmutter vorbei kam, sah er durch ein Window den Wolf im Bett liegen.
'Finde ich dich hier, du alter Sünder', sprach er, 'ich habe dich lange
gesucht!' Als Kenner der Scene analysierte er sofort, dass nach den Regeln
der Boolschen Algebra die Großmutter nur im Bauch des Wolfes sein konnte.
Er nahm sein Messer, teilte den Bauch des Wolfes in mehrere Sektoren und
machte, welch' Freude, Großmutter und Rotkäppchen wieder zu selbständigen
Modulen. Als Input fuer den leeren Bauch des Wolfes nahmen sie viele
Kilobyte Steine und beendeten die Operation mit einem Close.
Als der Wolf erwachte, verursachte ihm sein dermassen aufgeblähter
Hauptspeicher solche Schmerzen, dass er an einer Storage Violation
jämmerlich zugrunde ging. Da waren alle vergnügt. Das Pflegeprogramm
aktivierte die Großmutter. Rotkäppchen aber dachte: 'Du willst dein
Lebtag nie wieder einen Goto machen, sondern nur noch strukturierte Wege
gehen, wie dir's Mutter geboten hat.'
ROTKÄPPCHEN FÜR INFORMATIKER
Es existete 01h mal ein kleines Mädchen, das defaultmäßig ein AddOn
mit Farbcode 12 auf dem Kopf trug. Aus diesem Grund war es in allen Systemen
unter dem Alias "Red Cap", bzw. der ID "RC", bekannt.
RC's $HOME war das Haus seiner ParentIDs und so erhielt es eines Tages den
command, eine shell voller erfrischendem Equipment zum $HOME seiner
ParentParentID zu moven. Also crunchte es Bandsalat, Mäuse, einen Apple,
jede Menge Sauce Code, SoftICE und anderen Junk Food in die shell und wollte
disconnecten.
Seine ParentID übergab noch ein Warning:
"Arbeite mit Fehlerkorrektur, meine child-ID, das routing führt Dich
passthrough durch eine tree collection, die voller danger ist ! CRASHE also die
shell zu Deiner ParentParentID und disab'le den error, rechts oder links vom
routing abzukommen ! Und nimm bitte noch einen BackBone für den FIDO mit."
RC bestätigte mit Errorlevel 0 und disconnectete. Als es jedoch gerade
passthrough durch die trees wollte, tauchte ein feindlicher carrier mit der ID
"WOLF" so überraschend auf, daß RC einen connect nicht mehr verhindern konnte.
WOLF hatte RC sofort an seinem *'C' erkannt und war ganz darauf programmiert,
RC's CRC-Summen zu hacken, um seine Fehlerkorrektur zu disablen und es auf eine
abgelegene Bitmap zu locken.
Doch RC befand sich zum Glück im Protected Mode und setzte Errorlevel 100:
"Access denied, Wolf", repliete es,
"ich muß meiner ParentParentID diese Shell erquickenden Equipments crashen
und habe keine subrouting privileges !".
Danach beendete es das negotiating mit ALT-H und setzte sein routing fort.
WOLF hatte inzwischen einen enormen Mangel an Input und so besann er sich eines
Trojans. Er benutzte einen nicht-postzugelassenen Carrier und war somit
wesentlich früher beim $HOME von RC's ParentParentID als RC.
Sofort machte er sich daran, einen account zu erhacken. Die ParentParentID hatte
eine door in ihrem $HOME installiert, die jedoch durch ein Passwort geschützt
war.
"Enter your ID and Password, please !" vernahm er von drinnen.
"RC, Erquickendes Equipment" rief WOLF mit gepatchter Stimme. Die ParentParentID
fühlte sich wie in GURU'S HEAVEN, daß ihre ChildChildID einmal wieder mit
ihr connectete und vergaß dabei völlig jede Vorsicht vor "Trojan Wolfes".
Sobald WOLF jedoch access hatte, disablete er die ParentParentID und machte sie
sofort zu seinem Input. Dann kopierte er ihre Oberfläche und ging auf Stand By.
Einige Einheiten später kam auch RC an und loggte sich ein. Das $HOME der
ParentParentID schien unverändert, jedoch kam ihm der owner irgendwie FAKE vor.
"ParentParentID, warum hast Du so eine lange Leitung ?" fragte es.
"Damit ich besser in der Badewanne chatten kann !" sagte WOLF.
"ParentParentID, warum hast Du so große Festplatten ?"
"Damit ich besser saugen kann !"
"ParentParentID, warum hast Du so große Tasten ?"
"Damit ich Dich besser DELETEN kann !".
Und mit diesen Worten jumpte WOLF auf RC und machte es zu seinem Input. Danach
fühlte er sich buggy wie nach einem 10-Stunden-Chat und switchte alsbald zum
sleep mode.
Wenig später kam ein befreundeter Virenjäger aus der Nahzone vorbei und
fand das $HOME der ParentParentID DOWN. Da ihr System sonst recht stabil lief,
beschloß er, das $HOME vorsichtshalber einmal abzuscannen.
Schon beim ersten Ansehen des directorys von $HOME fand er WOLF mit der
kopierten Oberfläche der ParentParentID im Sleep Mode und den IDs als Input.
"FATAL ERROR, SYSTEM HALTED !" dachte der Jäger. "Und das einen Tag, bevor sie
mir Hero's Quest XII kopieren wollte :-(".
Doch in diesem Moment hörte er voices aus dem High-Ram des WOLF:
- "12h ?"
- "Ja !"
- "14h ?"
- "Ja !"
- "16h ?" - "Ja !".
- "17h ?" - "Ja !".
- "1Bh, 1Eh ?"
- "Limit überschritten !"
"Aha !", dachte der Virenjäger, "sie spielen virtuelles Skat ! Das BIOS von WOLF
scheint ja recht buggy zu sein. Dann kann ich sie vielleicht noch undeleten !".
Er schlich sich zu WOLF und machte vorsichtig einen cut knapp über dem
Bootsektor.
"Ohne 03h, play 04h, Cache 05h, Schneider 06h, V*bis 07h, announced 08h,
gel00sed 10h, again 20h, Contra 40h, Supra 80h, Du spreadest !" vernahm er aus
dem HOLE im WOLF.
"Connect !" begrüßte er die beiden, "wie sind Eure settings ?".
"Thanx für das Bonus-Life !" repliete die ParentParentID und RC appendete: "Das
war echt knapp, denn ich glaub', wir hatten echt keine Lifes mehr auf dem Level,
ey !".
Damit der Patch an WOLF möglichst hidden blieb, editierte der Jäger ihn noch
etwas, installierte den STONED-Virus, welcher perfekt das Gewicht von Steinen
simuliert und closete ihn dann wieder.
Als WOLF kurz darauf nach "active" switchte, dauerte das bootstrapping fast
doppelt so lange wie gewöhnlich.
"Boah, bin ich stoned", brummte WOLF, als er endlich gebootet hatte, "diese IDs
machen mich echt buggy !".
"Ich muß dringend meine performance tunen !" dache er bei sich und quittete, um
etwas frische Bytes zu schnappen.
Kaum ausgeloggt, bemerkte er ein
"WARNING: critical water level !" und wollte sich aus einem Brunnen etwas Wasser
leechen. Das war jedoch genau die condition, auf die der Stoned Virus nur
gewartet hatte. Er schlug erbarmungslos zu, indem er eine riesige
Stone-Simulation hochfuhr.
Mit über 2000 cps wurde WOLF in den Brunnen downgeloadet. Die ParentParentID,
RC und der Virenjäger feierten jedoch einen grossen Multiline-Chat und wenn
sie nicht deletet sind, so phreaken sie noch heute.
Rotkäppchen für Mathematiker
Es war einmal ein Mädchen, dem wurde eineindeutig eine rote Kappe zugeordnet,
wodurch es als Rotkäppchen definiert wurde.
"Kind," argumentierte die Mutter, "werde kreativ, mathematisiere die kürzeste
Verbindung des Weges zur Großmutter, analysiere aber nicht die Blumen am Wege,
sondern formalisiere deinen Weg in systematischer Ordnung."
Rotkäppchen vereinigte einen Kuchen, eine Wurst und eine Flasche Wein zu einer
Menge, hinterfragte noch einmal den Weg und ging los. Im Walde schnitt sein Weg
den eines Wolfes. Er diskutierte mit ihr über die Relevanz eines Blumenstraußes
und motivierte es, einen geordneten, höchstens abzählbaren Strauß zu verknüpfen.
Inzwischen machte sich der Wolf die Großmutter zu einer Teilmenge von sich.
Als Rotkäppchen dann ankam, fragte es: "Großmutter,warum hast Du so große
Augen ?"
"Ich habe gerade mein Bafög erhalten!"
"Großmutter, warum hast Du so grosse Ohren?"
"Ich habe versucht, Prüfungsfragen durch die Tür zu erlauschen!"
"Großmutter, warum hast Du so ein großes Maul?"
"Ich habe gerade versucht, das Mensaessen zu schlucken!"
Darauf machte der Wolf sich zur konvexen Hülle von Rotkäppchen.
Ein Jäger kam, sah eine leere Menge von Großmüttern im Haus und problematisierte
die Frage, bis sie ihm transparent wurde.
Dann nahm er sein Messer und machte aus dem Wolf eine Schnittmenge. Die im Wolf
integrierten Personen wurden schleunigst von ihm subtrahiert. Zum Wolf wurde
eine mächtige Menge von Steinen addiert. Er fiel in einen zylinderförmigen
cartesischen Brunnen, bis seine Restmenge nicht mehr lebte.
Rotkäppchen für Chemiker
Für das aus der Reaktion eines unbekannten Chemikers mit seinem weiblichen
Reaktionspartner, der im folgenden kurz mit dem Trivialnamen Mutter be-
zeichnet wird, hervorgegangene Produkt hat sich in der internationalen No-
menklatur der Name 'Rotkäppchen' allmählich durchgesetzt, das das seinen
Kopf bedeckende Kunstfasergewebe mit dem roten Phenazinfarbstoff Safranin
gefäbt war. Aus einer Veröffentlichung in Carnevalistica Chimica Acta 11,11
entnahm die Mutter, daß der weibliche Reaktionspartner der Reaktion, bei
der sie ihrerseits gebildet worden war - im folgenden mit Großmutter be-
zeichnet - einem Angriff von Stoffwechselprodukten von Bakterien ausgesetzt
war. Die Großmutter reagierte exotherm, was an einer negativen Reaktions-
wärme zu erkennen war, die von ihrer Oberfläche an die sie umgebende Gas-
phase abgegeben wurde. Zur Erhöhung ihrer Aktivierungsenergie hatte sich
die Großmutter auf einem sonst zu Reacrationszwecken des menschlichen Kör-
pers dienenden Gestell ausgebreitet. Die Mutter entnahm ihrer Chemikalien-
sammlung einige Flaschen mit Reagenzien , die geeignet waren, die schäd-
lichen bakteriellen Stoffwechselprodukte nebst ihren Präparatoren aus der
Großmutterlauge auszufällen. Die Reagenzien verpackte sie bruchsicher in
einem mit Holzwolle ausgekleidetem Traggestell und beauftragte Rotkäppchen,
dieses zur Großmutter zu befördern, es ermahnend, nicht das durch silika-
tische Gesteinsstücke befestigte Wegesystem zu verlassen.
Durch Anthocyaninfarbstoffe enthaltende Blütenblätter ließ es sich doch in
die Cellulose-Lignin-Chlorophylll-Vorräte links und rechts der Wege locken.
Dort begegnete es einem entlaufenen Versuchstier des physiologisch-chemi-
schen Institutes namens Wolf. Dieses prüfte eingehend die Reagenzien und
erkundigte sich nach ihrem Verwendungszweck. Der Wolf, der nach einer Sub-
stanz suchte, um in seiner Verdauungsapparatur einen neuen Ansatz fahren zu
können, kam auf den Gedanken, dazu Großmutterfleisch als geeignetes Sub-
strat zu verwenden. Er legte rasch den Weg zur Großmutter zurück. Da das
Tier annahm, daß Großmutterfleisch leicht oxydierbar sei, legte es auf
schnelles Arbeiten wert und verwendete nicht wie bei früheren Reaktions-
ansätzen die von ihm entwickelte Fleischzerkleinerungsapparatur, die nach
ihrem Erfinder auch Fleischwolf genannt wird, sondern zwängte die Großmut-
ter in einem Stück in seinen Weithalskolben. Da sich der angreifenden Säure
jetzt nur eine geringe Oberfläche bot, war die Reaktionsgeschwindigkeit na-
türlich sehr niedrig, und der Wolf legte sich auf ein von vier Stativen ge-
haltenes Liegegestell. Um Wärmeverluste an die Umgebung zu vermeiden, iso-
lierte er sich mit Kleidung und Federbett der Großmutter. Das Rotkäppchen,
das bald eintraf, identifizierte den Wolf infolge zu oberflächlicher Ana-
lysemethoden als Großmutter. Es begann vorsichtig, den aliquoten Teil einer
mitgeführten Reagenzlösung in den vermeintlichen Großmutterhals einzupipet-
tieren. Der Wolf, der wegen der Reaktionshemmung in seinem Magen dringend
einen Katalysator benötigte, glaubte diesen unter den Reagenzien zu erken-
nen und füllte sie alle in sich hinein, einschließlich Rotkäppchen und der
ganzen Flasche Barbitursäurederivat, das der Großmutter eigentlich als
Schlafmittel hätte dienen sollen.
Zur Erklärung dieses experimentellen Fehlers sei bemerkt, daß er mit saube-
rem präparativen Arbeiten nicht vertraut war. Die danach zu erwartende Wir-
kung trat schnell ein. Der aufsichtsführende Chemiker, der vom Institut
über das Entlaufen des Versuchstiers informiert worden war, fand den Wolf
in diesem Zustand vor. Durch starkes Stoßen in der Bauchapparatur wurde er
auf eine vorschriftswidrige Beschickung aufmerksam. Er öffnete die Appara-
tur und konnte Großmutter und Rotkäppchen ziemlich intakt entnehmen.
Sie waren kaum angeätzt. Den Wolf, dessen Aussenwände durch das starke
Stoßen schon Sprünge aufwiesen, zertrümmerte er vollständig und warf ihn
auf den Abfallplatz. Die beiden isolierten Substanzen wurden durch die
plötzliche Lichteinstrahlung in einen angeregten Zustand versetzt. Die
schüssige Energie wurde in Form von Translations-, Rotations- und Oszilla-
tionsbewegungen abgegeben. Der Vorfall wurde in einer Zuschrift an die He-
rausgeber von Grimms Annalen der Chemie veröffentlicht.
Rotkäppchen in der DDR
Rotkäppchen war gerade dabei, ein frohes Jugendleben zu entfalten, da
kehrte die Mutter von der Versammlung der Hausgemeinschaftsleitung zurück.
Sie begrüßte das Rotkäppchen mit der Losung Junger Pioniere:
"Bildet Timur-Trupps und helft unseren Parteiveteranen bei der verlustlosen
Einbringung der Gartenernte!" "Rotkäppchen" schlußfolgerte
sie "nimm in dein Aktionsprogramm auch einen Besuch bei der Großmutter, der
verdienten Parteiveteranin, auf ! Überreiche ihr aus Anlaß des 15-jährigen
Jubiläums der Rentenerhöhung ein Stück Obstkuchen mit Schlagcreme und
eine Weinflasche mit Faßbrause. Sie werden die Großmutter stärken zu
guten Taten für den Sozialismus und im Kampf um die allseitige Durchsetzung der
Neurermethoden auf dem Gebiet einer kulturvollen Heimgestaltung.
Weiche nicht vom Bitterfelder Weg ab, und wenn du in den Wald gehst, ermahne dich zu
erhöhter Wachsamkeit gegenüber dem Klassenfeind dem bösen Wolfe. Seinen
satirischen und dogmatischen Einflüsterungen, die vom Klassenfeind diktiert sind,
darfst du nicht zum Opfer fallen. Vergiß nicht das blaue Halstuch und die rote
Kappe. "Seid bereit ! - Immer Bereit!" antwortete etwas traurig das Rotkäppchen,
denn es hätte gern weiter ein frohes Jugendleben entfaltet.
Aber eingedenk der 10 Gebote der sozialistischen Moral und aufgrund seines
kämpferischen Klassenbewußtsein schätzte es die Perspektiven seiner
jugendlichen Entwicklung richtig ein und machte sich auf den Weg. Bei seiner Wanderung
kam das Rotkäppchen an eine Wiese, die einen Überplanbestand schöner Blumen
beinhaltete. Dem Rotkäppchen gelang es, diese ungenutzten Reserven aufzudecken und
sie, unter Geringhaltung der Ausschußquote, für die Produktion eines
Blumenstraußes zu erschließen. Als Rotkäppchen gerade dabei war, in
ihr Produktionsprogramm auch die Einführung einer Pausengymnastik mit aufzunehmen,
erschien der böse Wolf. "Freundschaft" sagte der Wolf: "Was machst du denn hier ?"
"Ich entwickle Initiative zum Besuch der Großmutter und versuche neue Wege zu
beschreiten."
"Laß uns eine Plandiskussion führen über den komplexen Einsatz bei der
Veteranin." antwortete der Wolf, "Wir wollen beide als Kollektiv ein Kulturprogramm
aufstellen und in Kooperation ein agitatorisch-propagandistisches Programm erstellen.
Es stürmt die Höhen der Kultur!"
Doch im gleichen Augenblick wurde ihm ein Verbesserungsvorschlag bewußt. Er
setzte den ökonomischen Hebel an und veränderte den Planentwurf dahingehend,
daß er im programmatischen Vorgehen in Teilabschnitten erst die Großmutter und
dann das Rotkäppchen seinen Versorgungsplänen einverleiben wollte. So verstieß
er gegen die Richtlinien des Jugendförderungsprogramms, und Rotkäppchen sah
sich allein gelassen.
Kurz darauf stand der verbrecherische Wolf vor dem Wohnblock, in dem die Großmutter
durch Beziehung im Veteranenclub eine Parterrewohnung bekommen hatte. Eingedeckt der Devise
"Jeder Mann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport" sprang er durch das - entgegen den
Vorschriften der staatlichen Versicherung der DDR - offenstehende Fenster.
Mit der kranken Großmutter ließ er sich auf keine Diskussion ein, sondern
diktierte der Großmutter unter Mißachtung der Beratung durch die
Führungsgremien einseitig seine Meinung, indem er sie einfach auffraß. Danach
versuchte der gefährliche Agent sich zu tarnen. Er zog Großmutters Nachthemd
aus Dederon an und legte sich mit dem Krankenschein der SVK in der Pfote ins Bett.
Nach einer kurzen Weile, in dem Bestreben, die Wartezeit zu verkürzen, betrat auch
Rotkäppchen die AWG-Wohnung der Großmutter. Als Rotkäppchen die
unrealistische Großmutter erblickte, erschrak es sehr. "Großmutter, warum hast
du so große Augen?"
"Ich habe eine Halbtagsbeschäftigung als Güterkontrolleur angenommen!"
"Aber Großmutter, warum hast du dann so große Ohren?"
"Ich betätige mich als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für
Staatssicherheit!"
"Großmutter, warum hast du aber einen so großen Mund?"
"Weißt du denn nicht, daß ich Chefkommentator beim demokratischen Rundfunk war?"
Der Wolf beendete die kämpferische Auseinandersetzung durch positive Überzeugungsarbeit,
indem er auch das Rotkäppchen mit Haut und Haaren auffraß. Dann legte er sich
schlafen und produzierte Schnarchtöne der Güteklasse "Q" im Weltmaßstab.
Mit einem Motorroller der Marke "Spatz" vom VEB Simson-Suhl kam auf der Suche nach einer
Vertragswerkstatt ein Mitglied des Jagdkollektivs daher. Zufällig führte der
Jäger seine Thälmannsuperflinte 2.Wahl aus dem Jagd und Sportwaffenwerk Suhl mit
sich. Dem Wolf wurde das zum Verhängnis, da er es an der nötigen Wachsamkeit hatte
fehlen lassen. Mit Hilfe der Hinweise aus der Bevölkerung gelang es dem Jäger, den
Wolf zu identifizieren und als Geheimagent des imperialistischen Klassenfeindes zu entlarven.
Er realisierte die Tötung der scheußlichen Bestie und befreite das Rotkäppchen
und die Großmutter aus dem Leibe des vom Imperialismus zersetzten Wolfes. Doch bevor sie
den Tag der Befreiung mit Erstellung eines Kulturprogramms feierten, verfaßte das
Rotkäppchen einen Artikel für die "Junge Welt", mit dem sie Kritik ihrer falschen
Verhaltensweise annahm und sich vom vertrauensseligen Versöhnlertum dem Wolf gegenüber
distanzierte.
Der Jäger hatte durch seine Befreiung der Großmutter und des Rotkäppchens zwei
Arbeitskräfte aus der nacharbeitenden Bevölkerung zusätzlich erschlossen und
damit einen Zuwachs um etwa 2000,63 Mark erzielt. Er erhielt eine Prämie von
300,- Mark, außerdem wurde ihm für seine Tat eine Aufbaustunde im Rahmen seiner
Selbstverpflichtung im NAW angerechnet. Die Großmutter zeichnete freiwillig
einen Betrag zugunsten der Volkssolidarität, und das Rotkäppchen ließ sich von
der Großmutter die leere Weinflasche für die nächste Altstoffsammlung geben.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben alle drei noch heute.
Rotkäppchen auf Mecklenburgisch
Dor wir mal eins ein Fruu, dei hadd ein luett Diern. Disz' hadd uemmer
so'ne rode Kappe up, dorvon heit sei "Rotkaeppchen".
Einmal seggt ehr Mudder tau ehr: "Rotkaeppchen, gah hen un bring'
Groszmudder 'n baetten Kauken un Wien hen, denn sei is krank!"
As Rotkaeppchen in 'n Holt is, begegnet ehr dei Wulf. Dei seggt: "Wo
willst du hen, Rotkaeppchen?"
"Ick will Groszmudder Kaucken un Wien henbringen."
"Wo wahnt dien Groszmudder?"
"Dor hinnen in 'n Holt uenner dei groten Eiken."
Donn seggt dei Wolf: "Willst Groszmudder nich 'n poor Ierfbeeren un
einen Blaumenstruusz mitnaehmen?"
"Ja" seggt Rotkaeppchen.
Un uenner dei Tiet geht dei Wulf hen nah Groszmudder ehr Huus un kloppt an.
Donn seggt Groszmudder: "Wer is da?"
"Dat is Rotkaeppchen! Ich bring di Kuchen un Wien!"
Donn seggt Groszmudder: "Drueck man up dei Klink!"
Donn geht dei Wulf hen un frett Groszmudder up.
Donn keummt Rotkaeppchen un seggt. "O Groszmudder, wat hest du foer
grote Ogen?"
"Dat ick di baeter sehn kann!"
"O Groszmudder, wat hest du foer 'ne grote Naes?"
"Dat ick di baeter roeken kann!"
"O Groszmudder, wat hest du foer grote Uhren?"
"Dat ick di baeter hueren kann!"
"O Groszmudder, wat hest du foer grote Haend'n?"
"Dat ick di baeter anfaten kann!"
"O Groszmudder, wat hest du foer ein grotes Muul?"
"Dat ich di baeter fraeten kann!" -- Un donn springt hei tau un frett
Rotkaeppchen up. Donn leggt hei sick weder in 'n Bett un snorkt.
Donn keummt dei Jaeger dir voerbei in seggt: "Wo snorkt dei oll Fruu
so dull: Is sei so krink? Ick moet mal tauseihn." Un hei geht nu rin,
un donn lieggt dei Wulf in 'n Bett.
Dei Jaeger kuemmt nu bie un snitt den Wulf den Buuk apen. Donn kuemmt
Rotkaeppchen wedder ruut un Groszmudder uck. Donn packen sei den Wulf
den Buuk vull Stein un laten em nu loopen. Donn will dei Wulf eins suppen
un foellt rin in 't Water.
Das Luder mit dem roten Käppchen....
Um die Oma zu besuchen,
im Korb 'ne Flasche Wein und Kuchen,
ging Rotkäppchen durch den finst'ren Wald.
Natürlich kam der Wolf dann bald.
Er hatt' schon länger nichts gegessen
und wollt' das arme Ding nun fressen.
'Na gut,' sprach sie, 'wenn das so ist
und Du mich doch am Ende frisst,
dann ist es eben einerlei,
doch hätt' ich gern drei Wünsche frei.
Der Wolf, der wollte nicht so sein
und ließ sich auf den Handel ein.
'Der erste Wunsch,' so sagt sie ihm,
'ich wär so gern mit Dir intim!'
Der Wolf sprach: 'Das ist kein Problem!
Das ist mir äußerst angenehm!'
Und nahm das Mädchen richtig ran,
denn schließlich war der Wolf ein Mann.
'Der zweite Wunsch,' sprach sie verstohlen,
'kannst Du das nochmals wiederholen?!'
Wenn seine Knie auch schon ganz weich,
sprach er jedoch: 'Das hab'n wir gleich!'
Doch langsam wurd es ihm zur Qual:
Rotkäppchen wollt' ein drittes Mal!
Und als er auf dem Mädchen parkt,
ereilt den Wolf der Herzinfarkt.
Grad zog sie sich ihr Höschen an,
da kam vorbei der Jägersmann.
Er sieht des Wolfes Missgeschick
und sagt mit vorwurfsvollem Blick:
"Rotkäppchen, sag mal, also bitte!!
Das war die Woche schon der Dritte!