| Festrede für jeden Anlasß |
27-Mar-99 |
Festrede für jeden Anlaß
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1994 by Lutz Kobuszynski
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, hochverehrtes Publikum!
Bevor ich zu Ihnen spreche, moechte ich zunaechst etwas sagen.
Ich moechte Ihnen meinen Dank dafuer ausdruecken, Sie heute hier versammelt
zu sehen, und meinen Dank dafuer, dass ich gerade hier und heute und vor
allem in einer Zeit wie dieser zu Ihnen sprechen darf.
Aber schliesslich ist es ja das, was uns alle hier versammelt hat, dieser
Anlass, den man gerade auch aus der geschichtlichen Entwicklung heraus
nicht einfach verdraengen darf, auch wenn genau dies in unserer modernen
und schnelllebigen Zeit von immer mehr Menschen mit der Bemerkung "Das geht
mich nichts an" oder "Das interessiert mich nicht" einfach abgetan wird.
Nein, meine Damen und Herren, ich danke Ihnen auch dafuer, dass gerade
Menschen wie Sie nicht einfach diesen bequemen Weg gehen, sondern ein jeder
von Ihnen bereit ist, sich an die Stelle zu stellen, die die Geschichte und
auch unsere heutige Gesellschaft Ihnen zugewiesen hat. Ich muss nicht
betonen, wie wichtig gerade in unserer Zeit eine genaue Betrachtung unserer
Umwelt und der Geschehnisse um uns herum ist, denn zuleicht geschieht es,
dass Entwicklungen auch ohne unser Zutun und scheinbar ohne Zusammenhang
ihren Fortgang nehmen, scheinbar unbeeinflussbar. Doch genau darum sind
wir heute hier versammelt. Um unseren Einfluss zu nehmen, sei er scheinbar
noch so klein und unbedeutend. Es muessen endlich einmal einige Dinge in
aller Deutlichkeit gesagt werden, so unbequem und schmerzhaft dies auch
sein mag.
Ist denn alles wirklich so unbeeinflussbar, wie es uns im ersten Moment
scheint? Nein, hochverehrtes Publikum, wir, die wir zusammengefunden haben,
wir wissen, dass dem nicht so ist, und deswegen sind wir heute allen
Widrigkeiten zum Trotze hier. Es liegt immer auch an jedem Einzelnen von uns,
was er an der Entwicklung beeinflussen kann und will.
Mit diesem Wissen ausgestattet, kann ein jeder in diesem Raum morgen in die
Welt gehen und seinen Einfluss nehmen, sich dem Leben und dieser
Herausforderung stellen. Und ist es nicht genau das, was man von uns
verlangt und was wir zu leisten bereit sind? Welcher Mensch kann sich dem
entziehen, will er verantwortungsbewusst handeln? Sie, und ich möchte in
aller Bescheidenheit hinzufügen, auch ich, werden tun, was auch immer
uns notwendig erscheint, die gesteckten Ziele zu erreichen.
Und so eint uns hier in diesem Raum das Gefühl, uns im Bewusstsein um
unsere Ziele und um das Machbare an der Gestaltung der Wirklichkeit zu
beteiligen, einer Wirklichkeit, deren Gesetzmässkeiten niemand gegenüber
die Augen verschliessen darf.
Sie werden sagen, dazu gehört Mut, und ich werde Ihnen antworten: Jawohl,
meine Damen und Herren, dazu gehört großer Mut, und ich denke, die hier
Versammelten beweisen schon durch ihre bloße Anwesenheit diesen Mut. Wer,
wenn nicht Sie, hochverehrtes Publikum, kann sich dieser Aufgabe stellen
und die damit verbundenen Risiken sehenden Auges eingehen. Ich möchte an
dieser Stelle Cicero zitieren, der da sagte: Audacis fortuna juvat.
Jawohl, meine Damen und Herren, dem Tapferen hilft das Glück, gerade in
Zeiten wie diesen.
Man darf sich der Tatsache nicht verschliessen, dass die Geschichte und das
Bild der Gesellschaft immer aus der Summe der Handlungen aller Individuen
entsteht und entstehen wird, und so sind alle am weiteren Fortgang der
Entwicklung beteiligt. Nutzen wir also unseren Einfluss, und sei er noch
so klein, um an dieser Geschichte unseren Anteil zu haben.
Was uns, meine Damen und Herren, hier versammelt hat, ist, um einen alten
Meister zu zitieren: "... was den Menschen zieret, und dazu ward ihm der
Verstand, dass er im tiefsten Innern spüret, was er erschafft mit seiner Hand."
Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass uns nur das bewusste Wissen um
das Sein der Dinge Kenntnis über ihre Natur verschafft.
Mit diesem Wissen ausgestattet, kann ein jeder als Teil des Ganzen mitwirken
an der Gestaltung des Ganzen, und es geschieht, was geschieht und geschehen
muss. So schliesse ich nun meinen Gedanken mit dem Wunsch und dem Wissen,
dass das Gesagte gehört wurde und Danke Ihnen herzlich für Ihre
geschätzte Aufmerksamkeit.
( siehe auch http://privat.schlund.de/l/limacher )